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Kopfgeld
 

 

Hier finden Sie schon heute die voraussichtlichen Volkszählungsergebnisse - Sieger und Verlierer in den Bundesländern Stmk, K und Bgld

 

Das Rennen läuft seit Monaten. Ab 15. Mai wird es entschieden. Dann nämlich werden die Einwohner gezählt und die Geldmittel der Gemeinden neu verteilt. Denn für jeden Einwohner gibt es Geld. Mehr Einwohner füllen aber nicht nur die Gemeindekassen, sondern auch die Taschen der Kommunalpolitiker.
von Martin Sax

Wie immer geht es ums Geld. Zwar werden mit der Völkszählung auch zahlreiche statistische Daten über Frau und Herrn Österreicher erhoben, primär soll aber erfasst werden, wer wo wohnt. Denn das ist für die Länder und Gemeinden von Belang. In Anbetracht der Tatsache, dass Länder und Gemeinden keine eigenen Steuern einheben dürfen, erhalten sie ihr Geld über den sogenannten Finanzausgleich. In einem komplizierten Verfahren ist hier geregelt, wie insgesamt mehr als 500 Milliarden Schilling an Steuermitteln verteilt werden. So erhält der Bund zwei Drittel, die Länder erhalten 18,5 % und die Gemeinde schließlich 15,2 % - etwa 80 Milliarden Schilling. Und deren Aufteilung wird mit der Volkszählung bestimmt. Daher ist jeder Einwohner, der bei der Volkszählung eine Gemeinde als Hauptwohnsitz nennt, für diese Goldes wert. 500 Schilling gibt es pro Person und Jahr als Grundbetrag, durch den sogenannten "abgestuften Bevölkerungsschlüssel" gibt es je nach Gemeindegröße noch bis zu 15.000 Schilling pro Kopf und Jahr dazu. Denn je größer die Gemeinde, umso mehr sind die Bewohner wert. In Kleingemeinden werden pro Einwohner rund 8.300 Schilling überwiesen - in Landeshauptstädten wie Graz sind es besagte 15.000 Schilling.


Vor allem die obersteirischen Industriestädte suchen noch bis 15. Mai fieberhaft nach Einwohnern. Dort drohen wegen des grassierenden Bevölkerungsschwundes in den Stadtkassen nämlich jährliche Verluste In Millionenhöhe.

Dabei wurde durch den neuen Finanzausgleich die Bevorteilung der Städte gegenüber den Dörfern etwas zurückgenommen. Denn der nun mit 500 Schilling veranschlagte Basisbetrag ist überall gleich - der Kuchen für die Aufteilung nach dem abgestuften Bevölkerungsschlüssel wurde kleiner. Was die Stadt Wien 230 Millionen kostet und auch Graz trotz moderaten Bevölkerungszuwachses (siehe Tabelle) einen prognostizierten Verlust von knapp 50 Millionen beschert.

Ganz schlimm erwischt es jene Städte, die nicht nur durch den neuen Finanzausgleich Geld verlieren, sondern auch unter Einwohnerschwund leiden. Krassestes Beispiel dafür ist die obersteirische Montanstadt Leoben, die rund 2.500 Einwohner und 29 Millionen jährlich verlieren wird.

Für die Kommunalpolitiker gibt es aber auch noch einen zweiten Grund, um Einwohner zu werben: Mehr Köpfe bedeuten nämlich auch mehr Gehalt. Allerdings nur, wenn gewisse Schwellen überschritten werden. 3.000, 5.000 und 10.000 Einwohner etwa sind für Bürgermeister und Gemeindevorstand bzw. Stadtrat sehr lukrative Grenzwerte. Sie bedeuten gleich zig Tausender mehr pro Monat.

Ob das mit ein Grund ist, dass der Kampf um jeden Kopf so vehement ausgefochten wird?

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"Bitte melde Dich!" lautet die Aufforderung von BM Alfred Stingl und den Stadträten Margit Uray-Frick und Siegfried Nagl, bis 15. Mai den Hauptwohnsitz in Graz anzumelden. Als Dankeschön gibt es den "City-Bag" mit Gutscheinen im Wert von über 5000 Schilling. Infos unter 0316/872-5151 oder www.graz.at

Die neue Kampagne der Stadt Graz zur Volkszählung

Österreichweit ist am 15. Mai der Stichtag für die Volkszählung. Das dabei erzielte Ergebnis ist ausschlaggebend dafür, welche finanziellen Mittel der Stadtverwaltung in Hinkunft zur Verfügung stehen werden. Nur BürgerInnen mit Hauptwohnsitz in Graz sichern jenen gerechten Anteil an den Steuereinnahmen, die der Bund auf Länder und Gemeinden verteilt, d.h. je größer die Anzahl an EinwohnerInnen, umso mehr Mittel erhält die Stadt Graz, um dadurch den städtischen Raum entsprechend gestalten zu können und die bekannte Grazer Lebensqualität weiter zu verbessern.

Aus diesem Grund startete die Stadt Graz die Kampagne "Bitte melde Dich!", um auf diese Weise weitere Bürgerinnen und Bürger zu gewinnen:

Vor allem jene Bevölkerungsgruppen mit mehreren Wohnsitzen sollen dadurch motiviert werden, ihren Hauptwohnsitz bis spätestens 15. Mai 2001 nach Graz zu verlegen. Zielgruppe sind in erster Linie jene Menschen, die zwar in Graz leben, aber hier nicht gemeldet sind. Man geht in diesem Zusammenhang von rund 9000 Personen aus, die sich aus den Bereichen der Studenten, ausländischer StaatsbürgerInnen sowie Senioren zusammen setzen.

Mit einem Geschenk der besonderen Art, dem "City Bag", möchte sich die Stadt Graz bei den neuen BürgerInnen für die Anmeldung bedanken: Durch die tatkräftige Unterstützung der Grazer Wirtschaft wurde ein attraktives und reichhaltiges Gutschein-Paket zusammengestellt, das mit einem Wert von über 5000 Schilling den Studiengebühren eines Semesters entspricht und dadurch das Leben in der Stadt Graz noch angenehmer gestalten soll.

Quelle: Wirtschaftsnachrichten Süd, 4.2001, 28f
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